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Ein Klassenraum wird zur Autowerkstatt 

 

Ein Klassenraum wird zur Autowerkstatt

ein Projekt der Klasse Jül 9

Seifenkiste 4Seifenkiste 4

Kinder lieben es, Dinge selbst herzustellen. Doch wann haben sie schon die Gelegenheit gleich ein ganzes Auto zu bauen?Seifenkiste5Seifenkiste5

Völlig neue Welten eröffneten sich da im März so manchem Jungen und manchem Mädchen der Jül 9 als es hieß:

Wir bauen uns ein Seifenkistenauto.

Was macht man mit einer Seifenkiste? Wie sieht so eine Seifenkiste aus? Wie baut man so was? Viele Fragen schwirrten durch den Raum und die Vorfreude darauf war am Ende groß.

Seifenkiste 1Seifenkiste 1Zu allererst benötigten wir Räder für unser Auto. Alle durchstöberten ihre Keller und tatsächlich kam  das eine oder andere Rad zum Vorschein. Aber nicht alles, was mal ein Rad an einem Kinderwagen oder Fahrrad war, ist gut genug für ein Auto. Doch Dank der Idee eines Vaters fanden wir ziemlich schnell die richtigen Räder  in einem speziellen Räderladen ganz in der Nähe.

Die weitere Vorbereitung auf den eigentlichen Bautag überließen die Kinder in wichtigen Detailfragen  ihrer Lehrerin und Erzieherin- und die in mancher Sache ihren eigenen Handwerker- Männern:

  • Die Bauskizze und die Materialliste lagen in Handwerker- Frauenhand.
  • Den Materialeinkauf und die Vorbereitung der Achsenhalterung übertrugen wir den Handwerker- Männern.

Dann kam endlich der lang ersehnte Bautag:

Alle Materialien und viel Werkzeug lagen bereit für 20 Paar Kinderhände. Jetzt war gutes Management gefragt: Wer macht wann was mit wem? Wie bekommt man 20 aufgeregte Kinder zum Mitmachen ohne Chaos?

Frau Viehweger und Frau Kraatz hatten sich das wohl überlegt: Dank zweier weiterer Bau- Helfer ging alles geordnet, mit viel Freude und so manchem Staunen über die eigenen Fähigkeiten  und die der anderen gut über die Bühne:

Das Material sichten, den Aufbau besprechen und wichtige technische Details klären waren die ersten Schritte auf dem Weg zum eigenen Auto.

Wie funktioniert die Lenkung? Was ist eine Achse? Wie bremst man ohne Bremspedal? Darf ich die Bohrmaschine benutzen? Ich möchte auch schleifen! Wann bin ich dran?Seifenkiste 3Seifenkiste 3

Nach kurzer theoretischer Einweisung ging es dann endlich los-Löcher mit der Bohrmaschine bohren, Schrauben mit dem Schraubendreher hinein- und herausdrehen, Kanten und Ecken mit dem Schleifpapier glätten, …Seifenkiste 2Seifenkiste 2

Für so manches Kind war es das erste Mal, dass es einen Schraubendreher drehte, eine Bohrmaschine startete oder Schleifpapier in der Hand hielt. Doch auch unerwartete Profis fanden sich unter den Jungs und Mädels der Jül 9, die sachkundig in Sekunden die Schraube im Loch hatten oder das gewisse Händchen für die richtige Drehzahl des Bohrers besaßen.

Nach und nach nahmen beide Seifenkisten Gestalt an- der Sitz  war zusammengebaut, die Räder waren montiert, die Fußraste angepasst, das Lenkseil eingefädelt und sicher befestigt.

Jeder konnte es nun sehen- die Autos waren eigentlich fertig!              Wen hielt es da noch auf den Stühlen?

Jetzt musste erst einmal eine Probefahrt her. Schließlich muss ja alles genauestens überprüft werden!

In Windeseile waren alle Kinder in Jacken und Schuhen und trugen gemeinsam ihr Autos runter auf den großen Hof. In den nächsten 30 Minuten gehörte der Schulhof einer begeisterten Gruppe von 20 Kindern. Jeder versuchte der beste Lenker, der schnellste Schieber oder die coolste Startregisseurin zu sein. Ein paar kleine Wettfahrten der Jungen gegen die Mädchen begannen- wer gewonnen hat, wird hier nicht verraten. Es ging um den Spaß an der Sache- und der war unübersehbar.

Jedoch war noch eine Aufgabe zu erledigen. Wie sollte das Auto aussehen? Typisch Jungs? Typisch Mädchen? Wird man es auf den Skizzen sofort erkennen können?

Für ein paar Minuten kehrte Ruhe ein, als dutzende Buntstifte über das Zeichenblatt flitzten und nach kurzer Zeit die ersten Ideen freigaben. Doch die Stille währte nur kurz- denn nun ging es um eine wichtige Entscheidung- wie soll man aus 10 verschiedenen Mädchen- bzw. Jungenideen je ein Design zusammenfügen. Dieser schwierigen demokratischen Aufgabe widmete sich Frau Viehweger zusammen mit allen Mädels der Klasse. Frau Kraatz übernahm die Jungengruppe.

Schon nach wenigen Minuten hatten sich die Jungen problemlos und ohne großes Trara auf gemeinsame Designinhalte geeinigt. Bei den Mädels ging es da hoch her- nicht jede fand die Idee der anderen stimmig und es bedurfte der gesamten pädagogischen Kunst der Teamleiterin. Doch auch die Mädchen fanden letztendlich zu einem tollen Design ihres Mädelsautos.

Zur Stärkung für den letzten Teil des Bautages ging es erst einmal zum Mittagessen. In der Zwischenzeit bereiteten die Bauhelfer die Farben und Pinsel vor und übertrugen die Ideen als Vorzeichnung auf die Autos.

Da nicht alle Kinder gleichzeitig am Auto malen konnten, bauten alle anderen in der Zwischenzeit aus den Baukästen der Klasse eigene Autos, Garagen oder Parkhäuser. Diese werden dann für eine Weile das Fensterregal im Klassenraum zieren.

Um 13. 30 Uhr war es dann so weit: beide Autos waren fertig.

Wir hatten es geschafft.

Unsere zwei Seifenkisten stehen nun bereit für den täglichen Einsatz am Nachmittag. Wir sind gespannt, wie fair und freudvoll es in den kommenden Wochen auf dem Hof zugehen wird.

Viel Spaß Jül 9!

P.S.

Erste Seifenkisten wurden in Deutschland um 1904 gebaut. Damals gab es noch keine Bauvorschriften. Ein Rennwagen wurde aus alten Kisten und Kinderwagenrädern zusammengebaut.

Der Name „Seifenkiste“ stammt aus den USA. Dort hatte ein pfiffiger Seifenfabrikant seine Holzkisten mit Bauplänen von „Kinderautos“ versehen und später sogar mit Rädern und Achsen bestückt.